Fundstücke Nr. II

Februar 2007, Nordpolen – Baltische See.

Die langgestreckte Halbinsel, welche die Danziger Bucht nach Norden und nach Westen abschließt, ist für mich ein Naturwunder. In unserer Zeit versperrt Beton, wo immer man ist, die schönsten Plätze und der Massentourismus sorgt für lautes, enges Treiben, wo Weite und Natürlichkeit ihren Platz hatten.

baltic sea

So anders ist diese Halbinsel, wer hierher findet, insbesondere im rauen Februar, ist allein mit sich und eins mit der Natur. Diese eine Woche an der See war der einzige Moment im Jahr 2007, wo wir Ruhe finden konnten und wir sein durften. Die Zwänge der Welt mit ihrem unerbittlichen Takt, blieben in dieser Woche außerhalb unseres Lebens. Hier fanden wir einen kleinen grün- weißen Stein, der freundlich in der Hand lag und 13 Monate als Erinnerung mal in meiner Hosentasche, mal in der Jacke, meist doch im Rucksack mit auf Reisen war. Ungefähr 130.000 km hat mich dieser Stein begleitet und nun einen neuen Liegeplatz gefunden, im Atlantik, nicht weniger als 14.000 km von seinem Findeort entfernt.

 

März 2008, Patagonien, Provinz Chubut.

Minuten nachdem der Küstenstein von der Baltischen See in den Ozean geworfen wurde, viel mir dieser Stein in die Hand, ein versteinertes, rombusförmiges Artefakt einer Austernschale (vermutlich einer Riesenauster). Jetzt befindet sich dieser Stein in meiner Hosentasche, neben einigen anderen und wird Begleiter sein.

giant oyster

Die Halbinsel an der patagonischen Atlantikküste ist so anders als die polnische Halbinsel und doch teilt sie sich alles mit ihrem Pendant. Hier fanden wir wieder eine Woche Ruhe, diesmal sogar ohne Handys und Internet. Begeistert, überrascht und erstaunt hat mich dieser Platz und diese Zeit. So dicht ist hier das Leben, so begreifbar die Ordnung der Natur, die Nähe von Geburt, Leben und Tot, das es mir den Atem verschlagen hat. Niemand räumt hier schnell die Strände auf, um die Touristen vor toten Vögeln, Lamas oder Walen zu schützen.

Ich hoffe, der weitere Weg erlaubt mehr solcher Möglichkeiten, Plätze zu finden, die einen wieder zu sich selbst zurück führen.

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