Topfschnitt

Nach 9 Wochen näherte sich meine Haartracht der eines Yeti. Leider verändert sich mit den Jahren auch der Haarwuchs, von gleichmäßig in partiell. Bei mir wachsen die Haare prächtig rund um dem Schädel aber nicht darauf. Konsequenz; länger nicht geschnitten, trage ich ein platt gedrücktes Kissen auf dem Kopf. Einen Frisör hatte ich schon empfohlen bekommen, also auf zum Frisör mit Namen Walter, Walter der nur einen deutschen Namen trägt aber kein Wort Deutsch oder Englisch spricht. Leider hatte Walter keine Zeit und Jorge (oder so – augenscheinlich irische Vorfahren, schlotternde lange Glieder, feuerrote Haare und eine bleiche von Sommersprossen bewohnte Haut). Jorge hat es gefallen, meine Anweisung Corto (Kurz) in eine deutsche Bubenfrisur der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts umzusetzen. Die vielfältigen Kommentare sind alle frustierend, ich werde permanent dafür gelobt, jetzt wie ein echter Deutscher auszusehen. Überlege mir jetzt eher die Murmel ganz abdrehen zu lassen und lieber wie mit einer Glatze rumzulaufen. In den neckischen Kommentaren kommt eine für mich eigenartige Position zur jüngeren deutschen Geschichte einiger Argentinier (und da vor allem nicht der Argentinier mit deutschen Wurzeln). So wurde mir zum Beispiel erklärt, dass Frankreich ja doppelt so häufig in Deutschland eingefallen ist, wie Deutschland in Frankreich und wie bejammernswert die vertriebenen Deutschen nach dem zweiten Weltkrieg sind. Geschichtsdeutung auf Argentinisch…

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